Folgende Texte handeln von unserem Ausflug nach Montana, dem Land der USA östlich von Idaho, wo wir uns lange aufhielten.
Begonnen hatte alles mit einer Bemerkung des Autohändlers: Die Leute, die von Montana runterkommen, hätten nicht nur ein Gun (Pistole) dabei, sondern deren zwei- ein Gun sei unter dem Fahrersitz, das andere unter dem Beifahrersitz. Wohl anzumerken gilt es noch, dass er uns nachher die (teilweise vom Werk) eingebauten „Verstecke“ für die Guns der Idahoens zeigte. Hinter dem Bildschirm, der auf Knopfdruck hochfährt und ein Versteck dahinter freigibt (GMC, Modell Yukon XL)…
Nun, wie dem auch sei, es hat uns interessiert, was für Leute dort draussen in der „Wildnis“ wohnen, und wie diese Wildnis aussieht. Was wir fanden, entsprach gar nicht unseren Erwartungen. Die folgenden Texte handeln davon, viel Spass den Lesenden.
Wir gingen wandern auf der Südmesa, südlich des Missouri, im Gebiet der White Cliffs. Von der Kreuzung der alten PN- Strasse aus ins Tal hinunter, fast zum River Judith und wieder zurück, hinauf.
Die Landschaft ist für mich typisch amerikanisch, so wie ich es aus Büchern kenne. Es ist eine Art Halbwüste, mit sehr trockenen Abhängen, steilen, fast zinnenartigen Hügeln/ Bergrücken, welche bis ins Tal sich weiterziehen. Sie sind braun, auch grau, mit verdorrtem Gras, kleinen Büschen und Salbei.
Die Täler dazwischen sind grün, je tiefer das Tal und je näher der Talboden, desto grüner.
So war unsere Wanderung eigentlich ein gang durch ein Gemälde in 3D, durch Farben und Formen.
Jeder Schritt enthüllte neue Aspekte des Gemäldes, sich selbst immer neu erfindend.
Wir gingen auf einem dieser „Dinosaurierrücken“ bis fast ins Tal, bogen dann aber ab einen steilen Abhang hinunter und durchquerten dann eine hügelige Landschaft, mit eben diesem grünen Talboden.
Wege gibt`s hier nicht, wozu auch, ist ja kaum jemals jemand hier. Die Amis nennen es „Cross Country Hiking“. Wandern durch das Gelände, wie es die ersten Pioniere taten.
Wir mussten auf der Hut sein, vor Klapper- und sonstige Schlangen und Geviech, gross und klein.
Vom Talboden aus erreichten wir die alte Strasse, stiegen auf ihr etwa bis in die Hälfte hinan und bewältigten den Rest in einer Landschaft aus Salbei, grünen, nach Kamille duftenden Blumen, zeitweise Tannen. Es war heiss, die Sonne knallte, ein trockener Wind wehte. Am Ende der Wanderung, zurück oben an der Kreuzung, waren wir sehr erschöpft und durstig.
Wir ruhten uns aus bei unserem Truck, dann fuhren wir nach Winnifred.
Winnifred
Um nach Winnifred zu gelangen, fuhr man erst durch eine Landschaft, die entfernt an die Jurahügel in der Schweiz erinnerte. Weidelandschaft wechselte ab mit Tannen und tiefen Canyons, dann über Grasland, die echte Prärie. Im Umkreis von rund 100km um das Dorf hat es, ausser ein paar einzelnen Farmen, nur Prärie.
In Winnifred hat es eine grosse Hauptstrasse, etwas 300m lang, mit allem, was so ein Montanastädtchen braucht. Ein Laden, ein Gemeinschaftszentrum, ein Steakhouse und einen Saloon, genannt Taverne. Wir besuchten erst den Laden, dann den Saloon. Ob wir nun auf die, in Idaho erwähnte, Cowboy- Mentalität treffen?
Im Laden wurden wir herzlich begrüsst und gleich in ein Gespräch verwickelt. Ob es in Switzerland so aussähe wie bei ihnen? Ja, Kühe hat es schon, aber sonst…
Wir begegneten einer Freundlichkeit und Offenherzigkeit gegenüber Fremden, einem Interesse an fremden Kulturen, die ich in der Art oft vermisse… Nichts Gun – Mentalität. Ausser: Die kleinen Murmeltiere (Erdmännchen?) mögen sie nicht. „They`re good to shoot at…“
Also, vielleicht im Saloon?
Aus dem Saloon drangen Kinderstimmen. Aber man darf in den USA doch erst mit 21…
Wir sollen den Eingang zum Cafe benutzen, sei ja sowieso das Gleiche. Drinnen herrschte reges Treiben. An der Bar fünf Frauen beim Feierabendbier. Daneben drei Spielautomaten für Spiele wie PACMAN (ältere Semester erinnern sich an dieses Game auf dem Commodore 64K – Leistung, = 64 Kilobyte). Vor den Spielautomaten sassen 3 Knirpse und quitschten vor Vergnügen.
Wir setzten uns hin und ich bestellte ein Bier, ein lokales aus Havre (sprich Havör). Glücksspielautomaten zieren die Wände, einige waren besetzt und spuckten ab und zu Münzen aus.
Alkohol, Glücksspiele und Kinderhüte – geht doch gut.
Auch hier wurden wir freundlich empfangen, in ein Gespräch verwickelt. Wir assen eine grosse Portion „French Fries“.
So nach 21h leerte sich der Saloon, die Mütter und ihre Kinder gingen nach Hause.
10 Minuten später betreten drei Männer den Saloon. ..
Wir mussten leider auch gehen, unser Ritt zurück zum Zelt am Missouri betrug doch gut 26 Meilen/ 40 Kilometer.
Kurz lässt sich sagen, dass ich bis jetzt in Montana eigentlich nur Leuten begegnet bin, die äusserst freundlich und hilfsbereit waren, weltoffen und fremdenfreundlich. Das was ich ich mir unter Revolverhelden vorstellte, hab ich noch nicht angetroffen.
B
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