Seit Samstagmorgen bin ich wieder in Sandpoint. Ich habe unseren Truck zurückgefahren, alleine von Seattle bis Sandpoint. Ich bin erst freitagabends losgefahren, es ging alles lange, bis B und I das Mietauto hatten, um zurück zu fahren auf die olympische Halbinsel. Wir mussten das Material aussortieren, sorgfältig, und so war es etwa 20h, bis ich abgefahren bin, eben am Freitag.
Unser alter Truck verlor jeweils Kühlerflüssigkeit aus dem Radiator, das Loch „gestopft“ haben wir mit einer „Stop leaking“ Flüssigkeit. Mit so einer vollen Flasche ausgerüstet fuhr ich los. Die ersten 70 Meilen ca. fährt man auf dem „Freeway 90“ bergauf, von fast Meeresspiegelhöhe auf ca. 1000m, durchs Kaskadengebirge. Nichts als unendliche Wälder. Und hier in den USA gibt es nicht wie in Europa auf der Autobahn alle paar Kilometer eine Notrufsäule. Auch keine Autobahnraststätten. Handyempfang ausserhalb der urbanen Zentren auch nicht. So hoffte ich, zumindest die Passhöhe zu erreichen. Dann wollte ich mir einen Walmartparkplatz (Einkaufszentrum) suchen und im Auto schlafen. Aber: So etwas gab es nirgends. Zudem ging langsam das Benzin aus. Um zu tanken, muss man die Autobahn verlassen und in die Dörfer fahren. Mit Schrecken stellte ich fest, dass meine Bankkarte nicht funktionierte. Ich hatte noch 70 Dollar in der Tasche. Ich tankte für 20 Dollar und gönnte mir einen Orangensaft, ein Wasser und einen Snicker und fuhr zurück auf die Autobahn. Ich tankte später nochmals für 20 Dollar. Nirgends eine Schlafmöglichkeit. Die Ausruheplätze an der Strasse waren nur von Lastwagen bevölkert. Hier hätte ich mich nicht sicher gefühlt. So fuhr ich weiter, tankte nochmals für 20 Dollar, bis ich nach der Stadt „Spokane“ ein hoffnungsvolles Walmart – Schild aufblitzen sah. Diese Ladenkette bietet alles, was man oft in der riesigen, einsamen Natur der USA vermisst. 24h offen, saubere Toiletten, gratis Wifi und ein funktionierendes Handynetz. Und auf den unendlich grossen Parkplätzen davor darf man nachts seinen Truck, Auto oder Camper zwecks Übernachtung hinstellen. Ich fuhr bei der nächsten Ausfahrt raus und zurück bis zum Schild und konnte endlich abspannen.
Es war bereits 4h. Am Geldautomaten im Laden versuchte ich nochmals mein Glück – nichts. Ich rief auf die Bank in die Schweiz an: „Grüezi, ja, da ist irgendwie das Geoblocking wieder drin. Ich nehme es jetzt wieder raus und öffne es für USA und Kanada. Es dauert aber evt. bis Montag. Da ist noch „Sixt“ dazwischen. Und die werden übers Wochenende nichts mehr tun“.
Ich hatte noch einen Dollar und einen zu drei Vierteln gefüllten Tank und vor mir ca. 120 Meilen bis Sandpoint. Ich legte mich im Auto aufs Ohr und erwachte um 8h. Fuhr los und erreichte um 10h 30 Sandpoint. Mit einem Dollar in der Tasche und einem zu einem Drittel vollen Tank.
Unsere liebe Lee servierte mir Kaffee und Frühstück und lieh mir Geld.
Am Sonntag, abends, ging mein Kärtchen wieder.
Ich hatte drei wunderschöne Tage mit Lee, konnte den Truck unterstellen und fahre heute Nacht um 12h 50 los mit dem Zug (Amtrak) nach Seattle. Wo ich morgen gegen Mittag B und I treffen werde.
Abends, am 28. 8. lösen wir den Flug ein, den wir damals Hals über Kopf kaufen mussten, um in die USA einreisen zu dürfen. Wir fliegen nach Vancouver, besuchen auch dort eine Freundin, bleiben zwei Nächte und fahren mit dem Bus zurück nach Seattle. Von dort aus fliegen wir am 1. September nach London und weiter nach Paris. Bleiben dort bis am 4. um uns an die Zeitverschiebung von 9 Stunden anzupassen und fahren dann mit dem TGV Lyria nach Basel.
See you soon, K.
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