Als wir unseren Ford das zweite Mal aus der Garage geholt hatten, war uns der Mut vergangen. Zögerlich, ob wir es wirklich wagen sollten, die 1000 Meilen nach Süddakota anzutreten, verbrachten wir noch zwei Nächte in der Nähe des vertrauten Death Valley. Wir übernachteten, wie damals im Sommer in Montana, in unserem Ford. Natürlich war es etwas kalt. Aber mit all den Decken und Schlafsäcken, die sich unterdessen angesammelt hatten, ging es durchaus gut. Morgens waren jeweils die Scheiben vom Kondenswasser vereist, die Wüstensonne strahlte aber auch jetzt im Januar so kräftig, dass wir bereits zum Kaffeetrinken schön warm hatten draussen. Da uns durchaus klar war, dass am 15. 1. 20 unser USA Visum abgelaufen sein wird, mussten wir uns zusammenreissen und die Reise antreten. Was hätten wir sonst mit dem Ford tun sollen? Und mit all dem Gepäck? Wir mussten uns der Verantwortung stellen und brachen am Sonntag, den 5. 1., nach dem Mittag auf. Eine etwas andere Strecke anfänglich, über Las Vegas und Saint George nach Salt Lake City. Die erste Nacht verbrachten wir in Saint George in einem Motel. Erstaunlich, der 35 Jahre alte Ford fuhr problemlos. Froh waren wir trotzdem immer, dass wir noch ein modernes Auto dazu hatten. Man weiss ja nie. Die zweite Nacht verbrachten wir in Salt Lake City, hier lag zwar noch Schnee, es war aber windstill und sonnig. Die Fahrt durch die Berge im Osten der Stadt erinnerte an an eine Fahrt durch die Alpen ins Unterengadin. Die Rocky Montains sind hier nicht so hoch und nicht so stark bewaldet. Durch die endlose Prärie Wayomings ging es zwar ganz gut, unser Ziel, ein Hotel in Cheyenne, war aber schwer zu erreichen. Mit dem Ford kann man eben nur etwa 90 km/ Stunde fahren, mehr verkraftet das alte Auto auf die Dauer nicht. Und nun, schon auf der Autobahnausfahrt zum Hotel in Cheyenne, nachts um 1h, blieb der Ford stehen. Er machte keinen Wank mehr. Wir schoben ihn ins Gras neben der Fahrbahn. Stiegen alle in den Hiunday und fuhren ins Hotel. Mir war schon klar, ich hatte es zu verantworten… ich hatte nicht auf die Benzinanzeige geachtet. Dieser alte Truck hat zwei Tanks und man muss immer auf die Anzeige schauen und kurz bevor der eine Tank ganz leer ist einen Hebel umschalten, damit der andere Tank bedient werden kann… Am nächsten Morgen liessen wir unser müdes Kind schlafen, schrieben ihm eine Nachricht, und fuhren zurück zum Ford. Da stand er. Bereits mit einem gelben Kleber von der Polizei versehen, das Auto sei vorgemerkt, es würde demnächst auf Besitzers Kosten abgeschleppt… Die Hoffnung, dass über Nacht das Benzin aus dem zweiten Tank sich so weit verteilt hätte im Motor, dass er nun ganz schnell anspringen würde, zerschlug sich. Der Motor wollte nicht anspringen. Wir schoben den Truck so weit die Ausfahrt hinab, dass wir mit dem modernen Fahrzeug daneben fahren konnten. Vielleicht war ja durch den leeren Tank die Batterie in Mitleidenschaft gezogen worden? Ja würde da evt. überbrücken helfen? Ein Kabel fanden wir im Truck. Doch wo hängt man welches Kabel an? Die alte Batterie im Ford schien uns nichts zu verraten, auch nicht wo plus und minus sein könnte… Da brauste ein Lastwagen heran. Ich winkte ihm zu – und siehe da, er hielt an, das riesige Fahrzeug wurde an den Strassenrand manövriert. Es stieg ein kräftiger Mann aus, mit enormem Schnurrbart. Mit der Erfahrung und dem Wissen eines langjährigen Helden der Landstrasse half er uns, Klarheit in die Kabelenden zu bringen. Und, der Ford sprang an.
Erleichtert fuhren wir zurück ins Hotel, assen Frühstück und weckten unser Kind, das bis um 11h geschlafen hatte.
Die letzte Strecke, von Cheyenne/Wyoming durch Nebraska nach South Dakota und dann durchs Reservat bis Kyle, verlief gut. Abends um 20h kamen wir an und wurden herzlichst empfangen von vier jungen Leuten und den Katzen, die wir während unserer Zeit an der Lakota – Schule immer gefüttert hatten. Einer dieser jungen Menschen bekam nun den Ford, wie abgemacht. Es wurden Verträge unterschrieben und um 21h brachen wir wieder auf, die 150 km nach Rapid City ins Hotel mussten noch gemacht werden. Denn am nächsten Morgen, Donnerstag den 9. 1., ging bereits um 10h 30 unser schon lang gebuchte Flug nach San Francisco.
Erst am Flughafen von Oakland bei San Francisco beschäftigten wir uns mit Hotels. Für die erste Nacht fanden wir ein Best Western direkt beim Flughafen, mit Shuttle zum Hotel. Für eine Nacht war dieses Hotel erschwinglich. Doch am Wochenende: Doppelter Preis. Dafür zeigte uns „booking“, dass das Hilton im Financial District von Freitag auf Sonntag sehr preisgünstig ist. Sofort gebucht. So zogen wir am Freitag mit all unserem Gepäck mit dem Zug nach Downtown ins Hilton. Nicht schlecht. Ein Zimmer im 21. Stock erlaubte uns eine Aussicht bis zum Meer. Wir genossen die Stadt und hofften einfach, irgend etwas würde geschehen und uns helfen, denn ab Sonntag kosteten alle Hotels in und um San Francisco dreimal so viel wie sonst. Ein Autorennen, das am Sonntag starten sollte, war die Ursache. Die Hotels nicht nur teuer, sondern auch ausgelastet. Und so geschah dann auch ein kleines Wunder. Schon am Samstag, in einem kleinen Kaffee am Ocean Beach, sprach uns ein junger Mann an. Er wohne schon 13 Jahre lang in dieser Stadt. Er ist Deutscher und sucht jede Gelegenheit, seine Muttersprache zu trainieren. Und so kam es, dass er und seine Frau, eine Amerikanerin, uns einluden. In ihr Haus, das sie seit einigen Monaten bewohnen. An der besten Lage, mit Meersicht aus allen Fenstern im oberen Stock. Und hier sind wir nun noch bis morgen. Dann verlassen wir die USA. Um 14h Ortszeit fliegen wir nach Papeete, Tahiti, Französich Polynesien. Warum? Weil wir kein Schiff finden konnten, das uns über den Pazifik gebracht hätte. Und weil wir einfach nicht direkt nach Australien wollten. Zu schnell, fanden wir schon im Herbst. Wir reisen gerne auf der Erde, erfahren gerne die Distanzen und Landschaften. So hatten wir diesen Flug nach Tahiti schon Ende November gebucht. In der Hoffnung, von dort aus ein Schiff nach Australien zu finden. Und nun ist alles offen. Vielleicht doch Neuseeland? Grosse Teile Australiens erleben gerade apolayptische Feuersbrünste. Mal sehen. Auf jeden Fall geht es morgen nach Tahiti. Zwei Nächte in einem Bungalow beim Flughafen sind gebucht.
K.
P. S. Insgesamt waren wir nun sechs Monate in den USA. Mit einem zweimonatigen Aufenthalt in der Schweiz dazwischen. Wir haben so viele schöne Landschaften gesehen, so tolle Menschen getroffen und Freunde gefunden. Vielen Dank.
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