Wir sind mit dem Nachtbus von Iquique her heute Morgen in Arica angekommen. Jetzt lagern wir vor den Toren der Stadt, am Strand, in einem arg in Mitleidenschaft gezogenen Hotelbunker.
Arica hat es noch schlimmer erwischt als Iquique, obwohl Iquique nun jetzt jeder kennt und Arica eben nicht. In vielen Gesichtern der Stadt, welche immer noch bleich sind , spiegelt sich der Schock jener Naechte wieder, als die Praesidentin in dieser Stadt weilte und zusammen mit allen anderen Normalsterblichen den Marsch zu Fuss in die Sicherheitszone antreten musste. Die Frage, wie denn das Beben gewesen sei, wird mit einem jaehen Erschrecken quittiert, so als habe man Angst. Dass durch das alleinige Erwaehnen der Geschehnisse diese zurueckkehrten. Vielfach erhalten wir keine Antwort, ganz Im Gegensatz zu Iquique, wo die Erdbeben mit viel schwarzem Humor quittiert werden, ist dieses Thema hier ein Tabu.
Zum Almuerzo, dem spaeten Mittagessen in Lateinamerika, sitzen wir in dem Restaurant mitten am Strand. Der Besitzer, den wir vom Maerz her noch kennen als lachenden Strahlemann, sitzt zusammengesunken, in seinem in die Bretterburg, die sein Restaurant von aussen darstellt, eingebauten Laden. Schon als wir fragen, wie es ihm gehe, winkt uns seine Frau aus dem Hintergrund zu und der eindringliche Blick laesst erraten, dass wir das Wort Terremoto (Erdbeben) besser gar nicht aussprechen. Spaeter verraet sie uns, dass seit dem grossen Beben die Gaeste wegbleiben. Dass der Auslaeufer des Tsunami ganz durch ihr Haus gespuelt sei und alles, was das Erdbeben vorher zu Boden geschmissen hatte, ins Salzwasser getaucht hat. Was das Erdbeben nicht schaffte, hat der Tsunami dann doch noch zerstoert und so wohl den Traum einer eigenen Existenz des Mannes ganz zu Nichte gemacht. Denn hier wartet man auf ein weiteres Beben. Nur hat man ja keine Ahnung, ob das gleich kommt oder in ein paar Jahren. Auf jeden Fall sollte die Nasca – Platte, so sagen die Wissenschaftler, noch mal einen Ruck nehmen bis sie ihre eigentliche Position nach dem letzten Erdbeben vor 140 Jahren eingenommen hat.
Ueberall in der Stadt ist die Zerstoerung zu sehen, und wie ein Damoklesschwert schwebt die Vorahnung eines noch groesseren Bebens ueber der Stadt, resp. in den Koepfen der bleichen Gesichter der Stadt Arica. Wir sind die einzigen Touristen in der Stadt und wo wir auftauchen, sind wir wie ein Bote, dass es jenseits der Stadtmauern doch noch eine Welt gibt und sie hier nicht hilflos ihrem Schicksal ueberlassen sind. Und so vielleicht auch ein Bote von Hoffnung, so hoffen wir doch.
Aber, so sind wir fast ueberzeugt, sind wir wohl die Einzigen, die sich hier in Arica freiwillig aufhalten.
Wir haben vor hier 2 Naechte zu gastieren, im 8. Stock unseres mit Rissen uebersaehtem Hotels. Im Falle eines Terremotos oder auch nur eines Temblores (in diese Kategorie fallen in Chile alle Beben bis Staerke 7) haetten wir die Treppe zu benuetzen…..lieber nicht daran denken und durch……auch bei uns. Abends stellen wir unseren Notrucksack vor die Tuer und legen die Taschenlampe neben das Bett…
Bald geht es weiter nach Tacna in Peru, raus aus dem Erdbebengebiet…..falsch, da hat es doch auch gebebt, nur dieses Mal hat es Chile erwischt….
Hoffen wir das Beste. Und sonst bleiben wir der galgenhumor-Stimmung Iquiques treu, und lassen uns nicht unterkriegen.
B.S.
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