Wie man aus den letzten Reiseberichten ersehen kann, sind wir hunderte Kilometer gefahren seit unserem Aufenthalt „in der Wildnis“ am Atlantik von Uruguay. Am Cabo Polonio, in dem Naturschutzgebiet fast an der Grenze zu Brasilien, leben alle Menschen freiwillig ohne öffentlichen Stromanschluss. Das Wasser holt man aus Brunnen hinter den Häusern. Wir lebten zwei Wochen in dieser Einfachheit und waren kaum erreichbar, denn Internet gab es nur am Parkeingang. Von dort bis zum Dorf und umgekehrt kommt man nur mit 4×4 Camions. Sie sind umgebaut, meist alte Militärfahrzeuge. Auf dem Dach sitzend ist die 30 minütige Fahrt ein Genuss.

Auf unserer Reise kommen wir immer wieder an Orte, wo man sich fast niederlassen könnte. Man findet sozialen Anschluss, gewöhnt sich an das Umfeld, im Laden wird man nett begrüsst… Und trotzdem, gehen muss man eben… Neue Orte warten mit neuen Überraschungen.

Und so waren wir sehr überrascht, als wir am Gründonnerstag im Andendorf „Tilcara“ ankamen und alle Unterkünfte besetzt waren… Sogar die, die wir über „Booking“ gebucht hatten… So blieb uns nichts anderes übrig, als dort abzusteigen, wo alle nur im letzten Notfall hingehen… Diese einfache Unterkunft erwies sich aber als erstaunlich sauber und ruhig und wir blieben dort bis heute. Heute, am Ostersonntag, ist die Semana Santa vorbei und Millionen Südamerikaner fahren oder fliegen zurück nach Hause.

Überrascht waren wir über die drei Ostertage, die wir hier in den Andendörfern Tilcara und Purmamarca auf 2500m Höhe über dem Meer erlebt haben. Am Karfreitag zogen Prozessionen durch die Dörfer, der Gekreuzigte als Statue vornweg. Von ganz klein bis ganz alt trommelte oder pfiff auf Panflöten.  Die Menschen litten mit dem Gekreuzigten, das sah man und spürte man. Am Karsamstag waren fast nur Frauen unterwegs, sie trugen eine Marienstatue vor sich her, pfiffen und trommelten und alle paar Meter blieben sie stehen und eine der Frauen erzählte etwas vom Leiden der Mutter Jesu. Tränen flossen. Tiefes Mitleid sah und spürte man.

Und dann der freudige Ostersonntag. Der Auferstandene vorneweg, das ganze Dorf pfiff und trommelte, grosse Freude und Dankbarkeit überall, alles Leid hinweg.

Ohne es geplant zu haben haben wir Unglaubliches erlebt. Ich glaube eindrücklichere Ostertage sind schwer zu finden.

K.