Etwas besorgt waren wir in Chile immer, wenn wir Glas, PET und alles andere in den gleichen Muelleimer warfen. Aber nun, seit wir unser Auto reparieren mussten und wir gesehen haben, was hier wie wiederverwertet wird, sehen wir es etwas anders.

Als wir alles aufgeräumt hatten letzte Woche am Mittwoch am Rio Loa und nach Iquique ins Hotel gefahren waren, ging plötzlich die linke hintere Tür nicht mehr zu. Man konnte sie nicht mehr zu machen und aber auch nicht abschliessen.

Es war schon 19h und dunkel, trotzdem fuhr ich, während die andern beiden das Hotel bezogen, mit dem Auto in die Stadt hinein, die Tür von innen angebunden mit einer Schnur,  auf der Suche nach einer Garage. Alle Werkstätten waren schon geschlossen, nur an einem Laden, typisch für die Zollfreizone hier, stand: Zu verkaufen Ersatzteile für alle Autos. Ich ging zur Theke und fragte: „Kann es sein, dass ihr Autos auch repariert?“ „Nein, aber wir kommen dein Auto mal anschauen“. Auch sie, zwei nette Herren, konnten die Tür nicht flicken, aber der eine meinte:“ Komm morgen um 12h wieder hier her zurück, ich habe einen Freund, der diesbezüglich alles kann“.

Und so kam es, dass I und ich am nächsten Tag Zeuge wurden von einem Schauspiel, dass ich mir nie hätte vorstellen können.

Der Freund war ein Mann, der wie ca. hundert andere Männer hinter einer unscheinbaren Mauer, die nichts von aussen verriet über ihr „Geheimnis“, an den schrottreifsten Autos, die man sich denken kann, arbeitete. Das einzig Hoffnungsvolle an jedem dieser Autos war, dass entweder die vordere oder hintere Hälfte noch einigermassen intakt war. Stolz waren die Arbeiter, jeder alleine an einem Auto beschäftigt, uns zu zeigen, wie aus jedem dieser Autos nach viel Arbeit ein Fahrzug entsteht, dem man unmöglich mehr ansehen kann, dass es hätte verschrottet werden können. Alle Stadien dieser Autos konnten wir bewundern. Die besten und teuersten Autos aus den USA gab es hier, teilweise eigentlich neu, aus dem Jahr 2018. Chevrolets, Jeeps, Fords… Alles was man so kennt.

Stolz wurde uns erklärt, dass diese Schrottautos zu Hunderten auf Frachtschiffen von den USA nach Iquique, die Zollfreizone, gebracht werden. Der US – amerikanische Autobesitzer (wenn er den Unfall überlebt hat) hat von der Versicherung den Neuwert bekommen, die Versicherung verkauft das Schrottauto einem Händler. Der wiederum verkauft den sogenannten Schrott nach Chile und dort kommen die Männer zum Zug, die in wochenlanger Arbeit daraus ein Auto machen, das wieder wie neu aussieht. Dazu gehört, dass hier in Iquique in der Zofri so viele dieser Autos bei verschiedenen Zwischenhändlern  lagern, dass man alle Ersatzteile finden kann. Sitze, Steuerräder, Fronten, Lichtabdeckungen, Stossdämpfer, Räder, Scheiben…

Einen Chevrolet aus dem Jahr 2018 kann dann für 15 000 Dollar gekauft werden. Das Geschäft läuft gut. Nach ganz Südamerika werden diese quasi neuen Autos aus den USA verkauft, sie verlassen auf grossen Lastwagen die Zofri von Iquique und werden in ihr Bestimmungsland gebracht. Die Lastwagen selber, also auch alle, die wir hier immer bewundern, sind genau so wiederhergestellt. Kein einziger ist wahrscheinlich neu hierher gekommen

Das Rätsel, wie man sich diese Fahrzeuge hier leisten kann, wenn man 400 Dollar im Monat verdient, ist gelöst. Leasen kann man diese Fahrzeuge ja dann wie bei uns. Ein riesen Geschäft, es gibt nur Gewinner. Auch die Umwelt. Ein neues Fahrzeug herzustellen braucht Unmengen Energie. Zum Glück werden sie nicht verschrottet.

Unser Auto funktionierte nach einer halben Stunde (Innenbekleidung der Tür ab, Feder ersetzt, wieder alles angeschraubt) wie neu.

K.