Die Mündung des Judith – River in den Missouri ist ein phantastischer Ort. Hier gefällt es uns so gut, dass wir immer noch hier sind. Aber morgen müssen wir weiter… Nur 14 Tage am Stück darf man hier campieren. In der ersten Woche haben wir uns noch nicht ins Wasser getraut. Es ist trüb, wir dachten es sei verschmutzt. Es ist aber mehrheitlich Erde, die hinuntertreibt. Und so gehen wir baden und fahren flussabwärts mit dem Schlauchboot.
Das nächste Dorf, Winifred, ist 26 Meilen von uns entfernt. Big Sandy, in die andere Richtung, 44 Meilen.
Der Bundesstaat Montana ist flächenmässig der viertgrösste der USA, es wohnen hier aber nur eine Million Menschen, 30 000 in der Haupstadt Helena und 150 000 in der grössten Stadt, in Billings.
Bis Mitte 1800 war dieses Gebiet noch fest in der Hand der „Natives“. Blackfeet, Flathead, Rockyboys… Diese Namen sind mir geblieben. Sie alle haben heute Reservate in der Nähe. Entlang des Judith und des Missouri, hier im heutigen Montana, standen unzählige Tipis. Es gibt Wasser, Fisch, Rehe, Hirsche, Pumas, Antilopen, Big Horn Sheep, Koyoten. Auch heute in Hülle und Fülle. Nur Büffelherden vermissen wir. Kein Tag ohne „Wildlifeexperience“. Heute erstrecken sich über die Flächen der Prärie viele Weiden und Getreidefelder. Aber vielerorts ist alles noch ganz naturbelassen. Auch die Flussläufe. Farmen im Abstand von ca. 5 Meilen. Immer wieder nur noch die Ruinen. Auch Geisterstädtchen gibt es zu Genüge.
Vor jeder Farm ein Plakat, zwei Cowboys im Sonnenuntergang darauf. Darunter steht: „Save the Cowboys. Save our lifestyle. Stop American Prairie Reserve.“ Am 3. August gibt es in Winifred ein Fest, an dem man Geld sammelt. Es geht darum, dass eine Fläche hier, so gross wie die Serengeti, sagt man, gekauft werden soll von einer Organisation, genannt APR (American Prairie Reserve), aus Privatpersonen aus der ganzen Welt und vorallem der „Marsfamily (Schoggiriegel). Ziel ist, dass alle Menschen (einige Farmen mit wenigen Cowboys) das grosse Landstück verlassen sollen und alle Natur sich ungestört wieder entfalten kann. Auch die Büffel, Wölfe und Grizzlys. 800 wilde Büffel haben sie schon…
Zu meinem Erstaunen ist Big Sandy die Heimat des demokratischen Senator John Texter und ist der Gouverneur von Montana, Steve Bullock, ein Demokrat. Letzterer ist auch Anwärter auf die Praesidentschaft 2020.
Und, wir werden hier sehr gemocht. Denn: Nicht wenige Menschen aus Montana haben schweizer Wurzeln. Sie sind gerührt, uns zu kennen und erzählen uns alles was sie wissen. Es fliessen auch Tränen. Besonders berührend ist die Geschichte gewesen, wo ein Schweizer und seine Familie aus Armut „geflüchtet“ ist in die „Neue Welt“ und gerade eingezogen wurde in den Bürgerkrieg. Und wie furchtbar es dort war. Und wie er nachher den Verstand verloren hatte. Und Frau und Kinder alleine durchkommen mussten. Und wie diese Kinder den schweizer Akzent bis ans Lebensende nicht verloren haben.
K.
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