Von Fallon bis 15 Meilen nach Tonopah

 

10. November 2019

 

Der gestrige Tag begann gut und endete unverhofft mitten in der Wüste, am Rande der Landstrasse 95, mitten im Nirgendwo.

Was geschah? Die Karre, der F250 lief immer schlechter, was uns nicht besonders beunruhigte, vielleicht, weil wir wenig von Autos verstehen. Und dann, irgendwann, ging gar nichts mehr. Da war es schon 22h und wir 15 Meilen nach Tonopah. Die Karre überhitzte immer wieder und „griff“ immer weniger, bis sie stehen blieb. Den Motor konnte man problemlos anlassen, Gang schalten, Gas geben, aber nicht abfahren. Weder vorwärts noch rückwärts. Und so stehen wir seit gestern am Highway 95. Es ist jetzt 8h 30. Autos und Trucks donnern an uns vorbei, in der Nacht selten, jetzt wieder mehr. Wir schliefen im Auto, wir sind es ja gewohnt, die Ausrüstung ist da. Nur normalerweise an einem idyllischen, ruhigen Ort. Diesmal schlief B. in der Fahrerkabine, K. und I. auf der bedeckten Ladefläche. Weil wir direkt am Highway waren, trauten wir uns nicht, das Gepäck auszuladen. I. Und K. teilten sich also die Ladefläche mit dem ganzen Gepäck…

Übernachten ging ganz gut, ein wenig unangenehm waren die kalten Temperaturen, trockene Wüstenkälte unter dem Gefrierpunkt. Wir haben zum Glück gute Schlafsäcke und extra Decken.

Jetzt scheint die Sonne, es ist warm in der Fahrerkabine, K. und I. schlafen noch.

So war die Fahrt bis hierher: Wir standen gemütlich auf im Hotel „Quality Inn“, frühstückten und checkten pünklich um 11h aus. Im nächsten Walmart kauften wir viele Vorräte ein, auch eine 18 Liter Wasserflache und extra Decken. Dann ging die Fahrt los, auf dem Highway 95 südwärts. Bald waren wir in einem Indianerreservat, das Hauptdorf heisst Schurz. Ziemlich trist und heruntergekommen. Verlassene Tankstellen, verwaiste Häuser. Das Postbüro noch in Betrieb. Bald waren wir, unserer Karte nach, der Meinung, das Reservat verlassen zu haben und stellten den Truck an einen Ausstellplatz und machten einen Mittagshalt. Der Blick in die Weite, über einen grossen See, beschriftet auf der Karte als „Walkerlake“. Die Ränder des Sees deutlich abgesunken, Salzkrusten säumen die Ufer. Plötzlich hielt ein Auto neben uns, eine grosse, schlanke, leicht ergraute Frau verlässt das Fahrzeug. Sie trägt ein auffallend schönes Silbermedaillon an einem Lederband um den Hals. Sie schaut aufmerksam in unseren Truck, die Ladefläche war geöffnet, ausser Gepäck und Schlafplatz gab es nichts aussergewöhnliches zu sehen. Sie schritt auf uns zu und sagte: „Ich halte immer an, wenn jemand auf meinem Land parkt“. „Oh“, sagten wir, wir dachten ausserhalb des Reservats zu sein“. „Nein, ihr seid ihr auf dem Land der der „River Piute“. Wir selber nennen uns ………. (schöner Klang, für uns nicht merkbar). Das bedeuetet Forellenesser auf Englisch.“ Ah, hat es Forellen im See?“ „Hetzutage nicht mehr. Sind alle weg. Die Landwirtschaft zweigt oberhalb des Sees zu viel Wasser ab, der Wasserspiegel senkt sich, der See versalzt. In den See gelangen Dünger und Pflanzenschutzmittel. Hier gibt es kein Leben mehr“. Wir sind betroffen. Alle schweigen. Dann erzählt sie, dass sie immer anhält wenn sie Fremde im Reservat sieht, um zu sehen, ob es Grabplünderer sind. Offensichtlich suchen hier immer wieder Eindringlinge nach Grabbeigaben und alten Pfeilspitzen. Aber: „Was ihr macht ist gut. Unser Land zu betrachten und zu würdigen, schätzen wir. Ihr dürft hier picknicken. Und ich muss gehen. Komme grad vom Einkaufen und habe Eis im Auto“. Zum Abschied reicht sie jedem von uns die Hand und verlässt uns. Es bleibt in uns das Gefühl, einen ganz besonderen Eindruck erfahren zu haben.

Wir fuhren weiter nach Hawthorn, am Südrand des Sees. Schon von weitem sah man merkwürige regelmässige Gebilde im Gelände. Am Dorfeingang steht: „Willkommen im weltgrössten Waffenlager der USA“. Ein mulmiges Gefühl. All die Gebilde scheinen Eingänge in eine Unterwelt zu sein. Lieber schnell weiter. Was sich auf und unter  dem riesigen Gelände alles verbirgt?

Es ging in der Abendstimmung (die Sonne geht um 16h 30 unter) weiter, vorbei an Geisterdörfern und alten Minen durch die golden leuchtende Ebene in Richtung Tonopah. K und I machten Schule auf der Beifahrerbank. Mündlich Englisch und Französisch.

In Tonopah begann unser Truck zu spucken. Wir assen an einer Tankstelle etwas und versuchten uns nicht beeindrucken zu lassen, schliesslich waren  es nur noch 90 Meilen zum Ziel, nach Beatty, dem Eingang zum Death Valley.

Jetzt sind wir hier, 15 Meilen südlich von Tonopah, haben eine bitterkalte Nacht im Truck hinter uns, keinen Telefonempfang, niemand hielt an… Was sollen wir am besten tun?

 

B.