Fortsetzung 10. 11.
Dieser Tag entwickelte sich ziemlich verrückt. Wir wachten, wie gesagt im vorigen Bericht, in einem kaputten Truck F250 auf und schliefen in einem grossen Truck, Typ LKW, 26 Fuss, d. h. 8 Meter lang, ein, 90 Meilen weiter südlich, am Eingang zum Death Valley.
Der Tag hatte begonnen bei frostigen Temperaturen und Sonnenschein. Das Trinkwasser war hart gefroren. Wir hatten es vor dem Truck hingestellt. Im Inneren unseres Truck war es sicher nicht viel wärmer gewesen. Die Wüstensonne wärmte nun aber alle schnell auf.
Lastwagen, RVs, Pick Ups, Autos, alles donnerte an uns vorbei und liess unseren Truck kurz erschüttern. Niemand hielt. Seit gestern um 22h. Ein Schild etwas weiter weg sagte: 95, ES 31. Übersetzt: Highway 95, County Esmeralda, Meile 31. Unsere Handys schienen unterdessen ein Signal zu bekommen. Wir beschlossen, erst Kaffee zu kochen und dann in aller Ruhe dem AAA anzurufen, dem Triple A, bei dem wir in weiser Voraussicht eine Mitgliedschaft mit 150 Meilen gratis Abschleppdienst pro Jahr abgeschlossen hatten.
Doch, da hält jemand. „Highwaypatrol“ steht auf der Kühlerhaube. Die Patrol bestand aus einer Dame, ganz allein, durchtrainiert, bewaffnet mit Taser, Pfefferspray, Pistole und anderen Dingen am Gürtel. Sie war ganz freundlich, sie wollte uns gleich den Abschleppdienst bestellen. Wir bestanden aber darauf, selber dem AAA anzurufen. Schliesslich wollten wir die Mitgliedschaft ausnützen. Wir versicherten ihr, Telefonsignal zu haben und sagten ihr, sobald der Kaffee koche, würden wir AAA anrufen. Sie sagte, „I keep an eye on you“ und verschwand. Als wir gestärkt waren riefen wir AAA an. Alles kein Problem, innerhalb von 60 Minuten würden wir abgeschleppt. Sie würden den Auftrag einem lokalen Unternehmen in Tonopah auftragen.
Nach 90 Minuten Wartezeit waren wir uns sicher, etwas konnte nicht stimmen. Erneuter Anruf. Aha, unsere Telefonnummer war falsch eingegeben, niemand konnte uns zurückrufen. Nun wird es klappen, die richtige Nummer ist aufgenommen. Nach erneuten 60 Minuten sassen wir immer noch am Strassenrand. Wir hatten uns die Zeit mit Kartenspielen vertrieben. Erneuter Anruf. Telefonnummer wieder falsch gespeichert. Es dämmert dem Herrn vom Triple A. Unsere schweizer Telefonnummer ist nicht kompatibel mit ihrem Computersystem. Und, es kann uns nicht irgend ein Freuund von irgendwo aus mit einer US- Nummer aushelfen. Es muss jemand sein, der mit dem Telefon direkt neben unserem Auto steht. Wie sollen wir so jemanden finden? Es hält ja nie jemand an. Letzer Tip: Ruft der Polizei an. Vielleicht schicken sie euch jemanden. Der kann dann sein Telefon zu diesem Zweck einsetzen. Gesagt getan. Nur wollte uns die Polizei nicht helfen. Viel zu wenig dramatisch. Dafür kommen sie nicht extra.
Und nun, es war 13h geworden unterdessen, der Wüstenstaub überall, die Sonne brannte, hielt ein Auto an. Der Himmel kam uns zu Hilfe in Form von zwei US – Amerikanerinnen, Mutter und Tochter und ein zehnwöchiges Hundebaby. Sie waren in einem klapprigen, mit Gepäck vollgestopften Wagen von Reno nach Alabama unterwegs. Die Tochter hatte gerade ihren Dienst bei der „National Guard“ als Mechanikerin abgeschlossen und war auf dem Weg nach Alabama um dort eine Ausbildung zur Kinderbetreuerin anzufangen. Eine mehrtägige Reise. Die Mutter würde dann zurück nach Nevada fliegen, Tochter und Hündchen in Alabama bleiben.
Der Anruf von deren Handy wurde in einem forscheren Ton geführt und wir verstanden nun, dass man in diesem Land ein inländisches Telefon braucht und mit weniger Freundlichkeit dafür präziser Anweisungen weiter kommt. Die beiden blieben die 30 Minuten bei uns, bis der Abschleppdienst kam. Nun durften wir in ein Lastwagenführerhäuschen einsteigen und uner Ford 250 wurde auf die Ladefläche gezogen. 15 Meilen später waren wir zurück in Tonopah. Der Truck abgestellt vor einer Garage. Mietwagen? Gibt es hier nicht. Zeit, unseren Truck anzusehen? Frühstens in zwei Tagen. Der Garagenbesitzer, der zufällig am Sonntag vorbeischaute, sagt uns: „U-haul“. Und schon rief er an. Damit hatte er uns ins nächste Abenteuer katapultiert.
U-Haul bedeutet auf Deutsch soviel wie „Du ziehst selber um“. U-Haul – Autos sind Umzugswagen.
Unser angemietetes Umzugsauto ist das grösste und auch teuerste das sie haben. Eben, das letzte Fahrzeug das in Tonopah übriggeblieben war an diesem Veteransmemorialday verlängerten Wochenende. Es hat etwa die Grösse eines Postautos/Linienbusses. In den USA darf man diese Fahrzeuggrösse noch ohne Extraführerschein fahren. Der Transportraum bietet Platz für die Möbel eines Einfamilienhauses. Uns diente uns als Schlafraum für zwei Personen. Der 3. Mann übernachtete in der Fahrerkabine als Wachhund und um das Rollo am Ende der Ladefläche zu öffnen, was eben nur von aussen geht…
Unser eigentliches Abenteuer war nicht die Fahrt mit dem grossen Fahrzeug, sondern dessen Anmietung.
Die Anmietung des U-Haul fand in einem Privathaus in Tonopah statt. Dessen Besitzer und Vermieter des Fahrzeugs trat, als I und ich dort abgeladen wurden vom Garagenmitarbeiter, vor das Haus. Eine rote Baseballmütze auf seinem Kopf erklärte in Grossbuchstaben, dass er den hiesigen Präsidenten des Landes nächstes Jahr wiederwählen will… An seinem Gürtel befanden sich ähnlich viele Waffen wie bei der Polizistin heute morgen. Eine (geladene) Pistole, ein Messer und andere furchterregende Dinge. Will uns der Mann ein Auto vermieten oder umbringen? Oder hat er Angst? Vor uns?
Wir traten ins Haus. Die Bilder an der Wand zeigten den Herrn als Matrosen bei der Navy. In der Mitte des Raumes stand ein übergrosser Bildschirm, der gerade einen Polizeieinsatz zeigte, live, mitverfolgt und gefilmt wurde, wie ein „Bösewicht“ auf seinem eigenen Grundstück festgenommen wurde. Dieser glich dem Herrn, der uns ein Auto vermieten sollte, ziemlich. Das TV – Realityspektakel dauerte 5 Minuten, dann gingen Paramilitärs mit Schnellbooten durch sumpfige Landschaften und hatten Böses im Sinn.
Nun merkte die zweite Person im Raum, das ein Kind anwesend war und wechselte den Sender auf Dokus in Alaska. Die zweite Person war offensichtlich der Vater des Vermieters. Die gesamte Anmietung daurte eine Stunde, in der mir klar wurde, wie die Anhänger des hiesigen Präsidenten ticken müssen…
Eine halbe Stunde sassen wir alle drei im Burger King, draussen unser Lastwagen. Wir erholten uns ausgiebig.
Den Ort Tonopah verliessen wir um 20h, wir fuhren durch die dunkle Nacht durch die Wüste Nevadas, vorbei an Geister- und teils bewohnten Dörfern und beendeten unsere Reise bei Beatty mit einem deutlich grösseren Fahrzeug als vorgesehen um 21h 30. Wir stellten unseren Truck in die Einsamkeit eines Parkplatzes an der Strasse zum Tituscanyon vor dem Eingang zum Death Valley und schliefen friedlich bis am nächsten Morgen.
B
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