Buenas Dias, Argentina.
Das war das Schlagwort des gestrigen Tages (7. 12 12). Wir fuhren die ganze Nacht den Rio Plata hinauf, es gewitterte und regnete in Stroemen. Es war wie eine Wildwasserfahrt, es musste in und um Buenos Aires schon viel geregnet haben. Morgens um 7h mussten alle Passagiere die Kabinen verlassen haben, dass die Crew sie fuer die naechsten Gaeste vorbereiten konnte. Nicht weiter schlimm, dachten wir noch am Abend, denn nach dem Fruehstueck koennen wir dann die Einfahrt in die Stadt geniessen, um 9h sollten wir ja mit dem Ausschiffen beginnen.
Das ging aber sehr daneben! Punkt 9h hatten wir angelegt. Das Wetter war strahlend schoen! Voll Tatendrang waren alle 2500 Passagiere an ihren fuer sie bestimmten Sammelplaetzen bereit. Wir im Teatro la Scala.
Als nach einer halben Stunde nichts geschah, wagten wir uns „ungehorsam“ auf Deck 7. Wir sahen, draussen am Hafen ging nichts, rein gar nichts. Nach und nach wagten sich auch andere Passagiere hinaus, und begannen mit den Angehoerigen zu telefonieren, die sie haetten abholen sollen (etwa 70% der Passagiere waren Argentinier). Aha, das Hafenpersonal streikte! Ende offen! Nun erfuhren wir auch, dass am Vortag (6. 12. 12) am Hafen ein Container mit Pestiziden explodiert war. Nur dank dem starken Regen, der die Flussauffahrt zur Widwasserfahrt gemacht hatte, durften wir ueberhaupt an Deck. Die Luft war wieder rein. Vor dem Regen war die Luft in weiten Teilen der Stadt verseucht gewesen, und wir waeren mitten hinein gefahren…
Unsere eigene Crew hatte unterdessen begonnen, die Koffer auszuladen. Ohne jede Hilfe, fuer 20 Koffer brauchten sie 15 Minuten! Und das bei ca. 5000 auszuladenden Gepaeckstuecken! Nach einer Stunde war die erste Durchsage gekommen, wir sollten doch bitte Geduld haben, sie wuerden um Entschuldigung bitten. Eine halbe Stunde spaeter gestanden sie den Streik.
Um 12h war der Streik beendet. Etwa 10 Leute vom Hafen kamen und begannen lustlos mit der Arbeit. Die Koffer wurden mit alten Lieferwagen abtransportiert, zum Terminal.
Im Vorfeld waren alle Passagiere in Farben aufgeteilt worden, in etwa 20 Gruppen. Wir gehoerten zu Gelb 1 und hatten unser Gepaeck mit der entsprechenden Etikette beschriftet. Wir waren ca. auf Platz 15.
Um 14h 30 war es so weit, wir durften das Schiff verlassen. Unser Gepaeck war aber noch keineswegs ausgeladen. Das Schiff wollte uns einfach alle los werden, nehmen wir an, schliesslich haetten sie schon mit dem Einschiffen der naechsten Gaeste beginnen sollen… In einer dunklen, stickigen Hafenhalle warteten wir nun mit Hunderten auf unser Gepaeck, in einem wuetenden, stinkigen Gedraenge. Fast alle schicken und gut betuchten Gaeste hatten sich in wilde Kerle verwandelt. Die Wut der Argentinier war besonders gross. Gemischt mit Scham. Es war ihnen unendlich peinlich. Sie entschuldigten sich bei den Auslaendern wie uns reihenweise. Mir taten sie furchtbar leid. Die meisten Menschen waren ueber 70 jaehrig, es war fuer sie eine furchtbare Tortur.
Wir selbst hatten auch da wieder eine gewisse Frechheit und hatten einen Platz an der frischen Luft gefunden, von wo aus immer wieder einer von uns ins Gedraenge stieg, um nach Gepaeck zu suchen. Um 17h 30 hatten wir alles beisammen und konnten durch die Passkontrolle das Hafengebaeude verlassen.
Nun sind wir aber gluecklich in unserem geliebten Stadtteil Recoleta, wo wir einst eine Wohnung gemietet hatten, und geniessen die Heimat in der Fremde.