Für unsere Verhältnisse recht früh, um13h 30, fuhren wir mit unserem Mietauto zum bekannten Aussichtspunkt Belverdere auf Moorea. Die Fahrt geht eine halbe Stunde, zuerst der Küste entlang durch das Dorf Maharepa, in die „Cook Bay“, wieder aussen dem Ozean entlang in die nächste Bucht, die Bay Opunohu. Wo diese Bucht am tiefsten ins Landesinnere reicht, biegt man ab in den Dschungel. Er ist geschützt, seit den 60er Jahren und ist vollkommen unverbaut und natürlich (abgesehen von archäologischen Erinnerungen an die Zeit der Polynesier vor dem europäischen Einfluss). Am Anfang der Dschungelstrasse, also noch bei der Bucht, befindet man sich quasi im Krater, dessen Rand auf dieser Seite hin schon im Meer versunken ist. Rund um den Krater, auf alle Seiten hin, ausser eben zur Bucht, ragen steile Aussenwände des Vulkans hervor. Die höchste Spitze ist 1200m über dem Meer. Der Krater, die leicht anfallenden Schrägen zur Wand des Kraterrands, alles bewaldet. Pflanzen auch an den Steilhängen zuoberst bis auf die höchsten Spitzen.
So fährt man eigentlich mit dem Auto in vielen Kurven auf einer ganz engen Strasse zum Aussichtspunkt, der auf fast 300m über dem Meeresspiegel liegt. Von hier aus führt ein Wanderweg noch mehr ins Gelände, so weit, bis man am Pass „les trois cocotier“ über den Kraterrand heraus auf die andere Vulkanseite schauen kann. Schon einmal haben wir die ganze Wanderung gemacht, sie dauert insgesamt, hin und zurück, 4 Stunden. Der schmale Weg führt durch unwegsames Gelände, an Wasserfällen vorbei, über Bäche, bis eben zum Pass auf 400m. Bis dort immer im Dschungel. Deshalb wirkt die Aussicht dort, auf zwei Seiten übers Meer, umso atemberaubender.
Da es hier in Französisch Polynesien sehr früh dunkel wird, so nah am Äquator, bereits um 17h 30, in dieser Jahreszeit, in der die Sonne immer weiter nach Norden wandert, haben wir jeweils Taschenlampen für den Rückweg dabei. Diesmal war klar, wir lassen den letzten Anstieg weg, wir gehen nur bis unterhalb des letzten und anstrengendsten Aufstiegs.
Wandern im hiesigen Dschungel ist recht harmlos, man hat immer Handyverbindung, es gibt kein gefährliches Tier im Wald. Nur Vögel, Insekten und Urhühner, die sich hier völlig ungestört und frei tummeln. Ursprünglich gab es auf Moorea kein einziges Säugetier und heute nur Ratten und Mäuse. Es gab nur Vögel, Insekten und Schnecken. Das Leben tummelt sich dafür um so zahl- und artenreicher im Meer.
An unserem diesmaligen Wanderendpunkt kann man sich auf zwei Baumstämmen ausruhen, was wir auch gemütlich taten. Zwei Wanderinnen kamen vorbei, vom Pass her, grüssten uns freundlich und gingen ihren Weg weiter in Richtung Parkplatz beim Aussichtspunkt, ca. 1 1/2 Stunden Weg werden sie vor sich gehabt haben. Etwas später kehrten auch wir in diese Richtung, es begann dunkel zu werden, es regnete, die Wege wurden glitschig. Alles nichts Aussergewöhnliches auf dieser Insel. Mit unseren Taschenlampen kamen wir gut vorwärs. Etwa 10 Minuten vor dem Parkplatz sahen wir durchs Dickicht bereits auffallend blaues Blinken. Was könnte das sein? Polizei? Wir alle drei hatten verschiedene Theorien, von Unfall über Diebstahl bis Vandalismus.
Da kommen uns auf dem schmalen Weg etwa 10 helle Lichter von Taschenlampen entgegen… eins nach dem anderen… Die hellen Punkte kommen näher, wir erkennen von unten her gutes Schuhwerk, dunkelblaue Hosen, blaue Jacken mit Abzeichen und Leuchtstreifen, freundliche Gesichter, Feuerwehrhelme…
„Suchen Sie etwas?“
„Ja, Sie!“
„Oh, tun wir etwas Verbotenes?“
„Nein. Aber zwei Frauen haben uns alarmiert, da seien zwei Erwachsene mit einem Jugendlichen noch nicht aus dem Wald zurück. Sie würden sich Sorgen machen.“
„Uns geht es gut. Es ist ers 19h20“.
„Da sind wir froh“.
Die etwa 10 Mann und wir gehen zum Parkplatz. Unterdessen telefoniert der Chef der Angelegenheit mit dem Büro und ihm wird aufgetragen, die Daten des Jugendlichen aufzunehmen. Wir kommen zum Parkplatz und staunen nicht schlecht. Zwei grosse Feuerwehrautos und ein Einsatzleitfahrzeug leisten unserem Mietauto Gesellschaft. Es blinkt in hellem Blau durch die dunkle Nacht. Ilmarin bekommt Kekse. Basil schreibt Ilmarins Daten auf ein Blatt Papier. Alles im nötigen Coronaabstand. Nichts weiteres geschieht, man wünscht uns freundlich einen schönen Abend. Wir fahren ab. Etwas langsam, die Strasse ist schmal, die Kurven eng. Die Feuerwehrautos überholen uns und hupen uns zu.
K.
Der kleine Unterschied zu Europa: Hier wäre es teuer geworden…