Geschrieben am 21. Mai 2020

Heute ist ein gemütlicher Tag. Wir merken alle, die Abfahrt naht. Alle wichtigen Dinge, die noch erledigt werden mussten, sind unter Dach und Fach. Auch der Gesamteindruck dieses Ortes ist gemacht. Teilweise war die Zeit hier sehr anstengend, weil unser Leben wie dieses der Einheimischen war, ohne Komfort, eigentlich seit drei Monaten im Freien (die zum Teil kaputten Fenster, sowieso als Jalousien auf- und zuklappbar, hielten den Wind kaum ab). Dazu die vielen Tieren, die in und um das Haus leben: Die fünf Hunde, die sonst kaum Futter kriegen, die Kakerlaken und die vielen Moskitos.

Trotz Anstrengung und Intensität möchte ich diese Zeit auf Moorea nicht missen. Wir lebten wie die Insulaner und grenzten uns nicht ab von ihnen. Alle Dinge wurden im direkten Gespräch geregelt, ohne die „Hilfe“, die Touristen normalerweise durch Mauern, Zäune, abschliessbare Türen und Bedienstete erhalten. Alles direkt, auf Tuchfühlung. Es brauchte teilweise starke Nerven, wenn der Wind durchs Haus pfiff, die Hunde nachts bellten, Fischer am Strand mit hellen Lampen vorbeikamen und direkt ins Haus leuchteten. Zweimal haben wir einen Menschen entdeckt im Dunkeln, er ohne Lampe. Die Hunde bellten zum Glück, wir mit der Taschenlampe raus geleuchtet und der Mensch verschwand… Auch Gespräche waren immer auf Tahiti – Französisch.

Wir unterschieden uns also nicht von den Einheimischen. Wir lebten genau wie sie. Ich habe den Eindruck, dass dies viele Leute im Quartier sehr schätzten. Für einmal Touristen, die sich nicht mit viel Geld hinter Mauern verstecken, sondern Touristen, die wie sie mit den gleichen Freuden und Nöten am Quartierleben teilnehmen.

Sinnbildlich ist „unser“ Grundstück am Meer. Es ist offen und an allen Seiten keine Mauern oder Zäune. Offen für jeden, der hier durchgehen will ans Wasser.

Ab und zu wünschte ich mir ein Zimmer in einer dieser immer gleichen Hotelketten. Türe zu, Klimaanlage an, vom Sein in der Fremde bleibt nur nur noch ein immer gleiches Summen der Ventilatoren. Doch dies wäre nicht das Ziel dieser Reise.

Für diese Reise hatte ich den Wunsch, an jedem Ort als Teil der dortigen Bevölkerung leben zu können, an der fremden Kultur teilzuhaben und zu lernen, wie vielgestalt und farbig das Leben auf diesem Planeten ist.

In diesem Sinn und Geist haben wir genau dies getan, an der äussersten Spitze der Landzunge von Temae, genau was wir uns vorgenommen hatten. Intensives, authentisches Leben.

B. S.