Papeete 27. 5. – Point a Pitre 28. 5. – Paris 29. 5

28. 5., über den Wolken:

Tagwache im Boeing 787 Dreamliner. 6h 30 Tahiti- Zeit. Habe gut 7 1/2 Stunden geschlafen.

Wir sind während dieser Zeit mit Kurs 78 Grad ostwärts geflogen, dann mit Kurs 64 Grad etwas mehr Nordost, haben den Äquator überquert irgendwo im Pazifik, sind nördlich der Galapagos- Inseln durch und befinden uns nun kurz vor Panama, d. h. wir überqueren die mittelamerikanische Landbrücke etwa beim Panamakanal.

Der Tag beginnt mit dem Mittagessen. Wir überqueren Panama- City und gelangen so vom Pazifik zum Atlantik, in die Karibik. Wir fliegen über Venezuela ganz am Nordrand. Bald werden wir in Point a Pitre, Guadeloup, ebenfalls Französisches Überseegebiet, zwischenlanden. Ortszeit ca. 13h 30. Ich schreibe dies alles so genau auf, weil es vorraussichtlich einer von ca. 5 Flügen der Luftfahrtgeschichte sein wird, der jemals diese Route nimmt. Anders könnten die Franzosen ihre Überseegebiete nicht “ bedienen“. Um eine territoriale Kontinuität zu gewährleisten während der Pandemie, mussten sie sich etwas einfallen lassen. Und so haben sie es geschafft, mit dem längsten „Inlandflug“ Rekorde zu machen. Wenn die Winde stimmen, fliegen sie die Strecke auch ohne Zwischenhalt. Alle 10 Tage. Bis die kommerzielle Luftfahrt wieder übernehmen kann.

Mit dem Programm „Continuite Territoriale“ umgehen die Franzosen die Massnahmen der anderen Länder, in denen man sonst zwischenlanden kann. Normalerweise z. B. in den USA, in San Francisco oder LA. Dort wird recht lang gewartet, alle steigen aus, wandern ein die USA und einige kommen zurück an Bord und neue kommen dazu. Diesmal wird der Zwischenstop, der der Winde wegen gemacht werden muss, nur kurz sein. Es wird betankt werden und wir an Bord bleiben müssen.

Der heutige Tag ist ein sehr kurzer Tag. Er dauert nur 12 Stunden. Dies, weil wir gegen die Zeit fliegen. Es ist ein Tag im Flugzeugsitz. Alle müssen wir stets eine Maske tragen, 21 Stunden lang. In Französisch Polynesien gibt es seit drei Wochen keinen Covid – Fall. Alle 59 Erkrankten sind genesen. Auf allen Inseln sind ausnahmslos alle Massnahmen deswegen aufgehoben. Trotzdem halten sich fast alle Reisenden an die Massnahmen der Airline „Air Tahiti Nui“.

Abflug war am 27. 5., 22h Papeete, 9500km später Zwischenlandung in Guadeloup (am 28. 5. um 16h 30). Eine Stunde später die 6772km nach Paris, Ankunft am 29. 5. um 7h 45. Drei Tage „berührt“ in 21 Stunden.

29. 5.

Wir treffen um 7h 40 nach einem wunderschönen Sinkflug im morgendlichen Paris ein. Wir sind die einzigen Fluggäste im leeren und sauberen Flughafen CDG – Paris. Nicht einmal das Gepäckband ist angeschrieben, unser Spezialflug ist nirgends auf einer Tafel erwähnt. Um 9h sind wir draussen aus dem Gebäude. Alles ging langsam. Warum auch beeilen? Es gibt ja nicht viel zu tun, da kann man das wenige auch gemütlich geniessen.

Die Botschaft hat uns eine Nacht im Hotel „Holiday – Inn – Express“ gestattet. Dann müssen wir schnellstmöglich mit den richtigen Papieren durch Frankreich fahren in unsere Heimat. Franzosen selber dürfen mittlerweile in einem Radius von 100km um ihren Wohnort unterwegs sein – mit dem richtigen Passierschein. Wir sind also privilegiert.

Wir bekommen ein Zimmer im 1. Stock. Das Hotel ist neu und schön. Wegen der Massnahmen etwas umgestaltet. Leere Lobby, alles Sofas weg. Kein Stuhl oder Tisch im Speisesaal. Man darf sich nur im Zimmer oder draussen vor dem Hotel aufhalten. Essen kann man aufs Zimmer bestellen. Wir bestellen Pizza, 90 Minuten später trifft sie ein.

Wir geniessen die saubere Umgebung. Keine Hunde, keine Mücken, kein Schimmel, kein Dreck, keine feuchte Luft. Wir schlafen mitten am europäischen Tag, für uns ist Nacht, herrlich tief in der weissen Bettwäsche.

Um 17h wachen wir auf, für uns ist langsam morgen. Wir entschliessen uns für einen Spaziergang. Wir sind nah am Flughafen – alles ist ganz anders als sonst. Ruhig, leer, frische Luft. Ein abgestellter Hightechriese neben dem anderen steht am Flughafen herum, eingemottet. Kein Kondensstreifen am Himmel – und das über dem grössten Flughafen Frankreichs! Wir gehen zu Fuss rund um das riesige Gelände. An einem Seitenflügel des Flughafens stehen vier Airbus A380. Triebwerke rot zugedeckt mit Folie. Sie wurden ausgemustert. Air France wird sie nie mehr wieder in Betrieb nehmen. Die Aussichten für dei Luftfahrt zu schlecht.

Aus Versehen geraten wir auf eine Autobahn. Haben wir gar nicht gemerkt! Es fährt hier ja gar niemand. Eine Ausfahrt  führt zum Terminal 2, etwas peinlich berührt passieren wir hinter der Leitplanke einen Wachposten. Er findet das gar nicht besonders und sagt uns, wie wir auf der Autobahnausfahrt am besten wieder in Fussgängerbereiche kommen. Wo sonst vor dem Terminal 2 Auto an Auto hält und Passagiere ein- und auslädt, ist nichts los. Im leeren, blitzblanken Gebäude sind lediglich ein paar Obdachlose eingezogen.

Müde kommen wir zurück ins Hotel. Gegen 22h gehen wir schlafen, für uns 10h.

Am nächsten Morgen gibt es kein schönes Frühstücksbuffet. Man darf lediglich in der Lobby maximal zwei Papiertüten pro Person greifen. Darin ist ein Croissant, ein Pain au Chocolat, ein Fruchtkompotttütchen wie für Babies und eine Büchse Orangensaft. Essen muss man im Zimmer oder draussen vor dem Hotel. Wir entschliessen uns für letzteres.

Wir sind zurück auf der Nordhalbkugel. 15 900km zurückgelegt, 64 Breitengrade und 160 Längengrade. 12 Zeitzonen und eine Jahreszeit.

B.