Nun kennen wir schon viel von Uruguay: Die Kueste von Colonia del Sacramento bis nach Valizas, in der Provinz Rocha. Das erste Stueck bis zum beruehmten Urlaubsort Punta del Este zieht sich entlang des Rio de la Plata, der ja ein sehr truebes Wasser fuehrt. Es ist kein Schmutz, man kann in Uruguay ueberall an der Kueste baden, es ist Erde aus dem tropischen Regenwald weiter im Norden. Punta del Este ist auf einer schmalen, felsigen Landzunge erbaut, die weit in das Meer, bzw. den Rio ragt. Steht man zuoberst, in der Mitte des Landvorsprungs, sieht man auf beiden Seiten zwischen den Hochhaeusern das Wasser glitzern. Vorne an der Spitze stehen nur kleine Haeuser und ein schoener alter Leuchtturm. Hier bei Punta geht der Fluss offiziell in den Atlantik ueber, aber der Uebergang ist fliessend, schon bei Atlantida war das Wasser recht klar und salzig. Aber ab nun ist man wirklich am Atlantik, das Meer ist wild und ruht nie, man merkt sehr gut, dass man an einem Ozean ist!
Punta del Este ist der Ferienort fuer wohlhabende Menschen aus Argentinien, Chile, Brasilien und Uruguay selbst. Alles ist nobel und schoen und dementsprechend teuer. Der naechaste groessere Ort gehoert eindeutig noch ins Hochpreissegment. Er heisst Jose Ignazio und ist ebenfalls auf einer Landzunge erbaut. Die Haeuser sind aber alle klein, bunt und voll Fantasie. Auch hier ein wunderschoener Leuchtturm, den zu besteigen jedem sportlichen Menschen zu empfehlen ist!
Ab nun ueberwiegt die Einsamkeit. Wunderschoene Lagunen und Naturreservate folgen, ein Paradies fuer Vogelliebhaber. In der Naehe der Laguna de Rocha durften wir auf dem riesigen Grundstueck eines Hollaenders unser Zelt aufschlagen. Die Froesche quakten die ganze Nacht ein Konzert.
Die naechste Nacht verbrachten wir schon in Valizas. In einer Posada, wunderschoen und edel, eine Wohltat nach der Nacht in der Wildnis ohne fliessend Wasser. Aber leider war die Posada nur eine Nacht frei, per Zufall, denn es ist gerade Karneval. Davon merkt man hier zwar nichts, im Sinn von Fasnacht, aber es sind einige Feiertage fuer die Uruguayos und Brasilianer, alle sind unterwegs. Hier in Valizas leben normalerweise 400 Einwohner, in den Karnevalstagen sind es 4000. Alles ist voll, aber hier ist es so schoen, dass auch wir diesen Ort als unser Ziel erkoren haben und irgendwie hofften, einen Unterschlupf zu finden. Und wir hatten Glueck. Wir kamen in einem Schopf im Fischerquartier unter. Auch nur fuer eine Nacht, auch der Schopf war schon ausgebucht fuer die folgenden Tage. Vom Schopf aus mussten wir immer auf die oeffentlichen Toiletten. Dort sass jeweils eine sehr reservierte, elegante Frau mit ihrem kleinen Sohn und putzte den lieben langen Tag Toiletten. Wir legten immer etwas Kleingeld in die Schale, das musste man aber nicht, und die Frau schien sehr stolz zu sein, denn sie bedankte sich nie. Am Morgen, als wir unser Gepaeck aus dem Schopf getragen hatten, wollte Ilmarin unbedingt, dass ich ihr sage, dass er ihr Geld gegeben habe. Ich zoegerte natuerlich zuerst, aber dann sprach ich sie an und sie taute etwas auf. Sie fragte, ob es uns in Valizas gefalle, und ich sagte, ja, aber es haette halt im Moment zu viele Leute, wir wuessten nicht, wo wir heute schlafen koennten. Da sagte sie: „Ich vermiete mein Haus. Ich bin im Moment hier im Dorf untergeschluepft. Heute gehen Leute raus und mein Haus ist fuer zwei Naechte frei, dann kommen neue Mieter“.
Wir waren skeptisch, aber da sie gerade zum Haus gehen sollte, um die Mieter zu verabschieden, gingen wir mit, d.h. wir fuhren mit ihr ein Stueck in unserem Auto, aus dem Dorf, bis es keine pandatauglichen Wege mehr gab und liefen dann den Duenen entlang bis zum Haus. Ein Traum. Ein kleines strohgedecktes Haeuschen, ganz allein in den Duenen, ohne Srom, mit Gasherd und Ziehbrunnen!
Warum ist Valizas so schoen? Ein Fluss, riesige Sandduenen und Ausgangspunkt fuer den Nationalpark „Cabo Polonio“, der zB. eine riesige Seeloewenkolonie beherbergt.
Irgendwie kommt einem das ganz unglaublich vor! Ihr taucht ja wirklich in eine völlig andere Welt ein – und das Besondere ist, dass ihr alles von innen erlebt, nicht aus Touristensicht. Macht’s gut weiterhin!! Eure Oma
Bea und ich haben eben eueren neuesten Bericht gelesen und die Bilder bestaunt. Toll ist da einfach unser Kommentar. Eine Mischung aus aufregend, spannend und mutig.
Wir, so waren wir uns einig, würden uns so etwas nicht zutrauen. Umso angenehmer euere Entdeckungsreise aus sicherer Entfernung und gefahrlos, zwar etwas theoretisch, aber nicht minder teilnahmsvoll, mit zu erleben.
Wir freuen uns schon auf die nächste spannende Fortsetzung!
Liebe Grüsse aus dem winterlichen Dornach
Bea und Christoph