… nach einer recht welligen Nacht, als wir der Kueste Marokkos entlangfuhren, wachten wir alle um 7h auf, zogen den Vorhang auf und erblickten einen leuchtenden Morgenhimmel, der das stille Wasser des Hafens zur goldenen Tafel werden liess. Wir sind angekommen in 1001 Nacht, in Casablanca.

Der zweite Blick zeigte eine typische afrikanische Kuestenstadt, eine oede, staubige Betonwueste.

Das Schiff legte an, Taue wurden befestigt, zahllose Autocars standen bereit fuer die vielen Passagiere, die einen Ausflug ins Landesinnere gebucht hatten.

Nach dem Fruehstueck waren wir auch bereit fuer den Landgang. Unserer sollte jedoch zu Fuss sein. Wir brauchte etwa eine halbe Stunde, um das Hafengelaende und die touranbietenden Taxifahrer hinter uns zu lassen.

Nun waren wir in der Stadt, und es war vorallem schmutzig. Wir wechseln Geld, es gibt 100 Dinar fuer 10 Euro. Und setzen uns in ein Cafe, zu einem arabischen Tee.

Dann machen wir uns auf, in und durch die Medina, die Altstadt von Casablanca: Wir traten in eine Welt, wie sie vor 200-300 Jahren wohl kaum anders gewesen sein mag, in ein laermiges, stinkiges, modriges, staubiges und dennoch gut duftendes Gemaelde, das sich mit jeder Sekunde veraenderte. Enge Gassen voller Menschen in allen moeglichen mohamedanischen, modernen, schicken, modischen oder lumpigen Gewaendern. Kleine Laeden, Cafes und Strassenstaende, die alles moegliche feilboten, von herrlichen Fruechten, die auch wir kauften (Bananen, Mandarinen, Avocados) bis zu Huehnern, die lebendig auf einer uralten Waage mit Gewichtssteinen abgewogen wurden, nachdem man ihnen ein paar Federn ausgerissen hatte. Dann wurde ihnen direkt der Kopf abgehackt auf einem Holzpflock und dem neuen Besitzer uebergeben.

Es gab ruhigere Gassen und dann gleich um die Ecke ging das farben-  geraeusch- und duftintensive Getuemmel wieder los. Wir betraten einen „Tante – Emma – Laden“ mit allerlei Verkaufsartikeln, volgestopften Regalen bis an die 5 Meter hohe Decke und kauften dasjenige fuers Mittagessen, was wir an den Verkaufsstaenden nicht gefunden hatten.
Picknick unter einem Zuergelbaum inmitten der ganzen Menschenschar.
Bald fanden wir den Ausgang aus der Medina und folgten der grossen Strasse zur Moschee mit dem 250m hohen Minarett, der Moschee Hassan II.
Dort war fuer uns Siesta, auf einem Maeuerchen, das rund um den riesigen, mit Ornamenten verzierten Platz, fuehrte.
Der Rueckweg von der Moschee fuehrte uns wieder durch die Altstadt, wobei wir nun absichtlich die ganz kleinen Gaesschen durchschritten, wil einige Lausbuben auf den groesseren Platzchen und Strassen Knaller zuendeten, vor denen Ilmarin grosse Angst hatte. In den engen, 2m breiten Gassen, hing die Waesche quer zum Trocknen aufgehaengt. Die Eindruecke waren so farbig und intensiv wie auf dem Hinweg.
Als wir das Getuemmel hinter uns gelassen hatten, kauften K. und I. Postkarten und ich setzte mich schon mal in das selbe Cafe wie anfangs. Zwei Marokkanerinnen luden mich an ihren Tisch, ich erklaerte, Frau und Kind kaemen gleich und blieb an meinem Tisch sitzen.
Als die beiden kamen, erwaehnte ich die Einladung schnell auf Schweizerdeutsch. K. laechelte hinueber, die beiden Frauen hatten aber von nun an nur Augen fuer I. Die eine meinte,  er koenne ja spaeter ihre Tochter heiraten…

Ueberhaupt erschienen uns die meisten Leute in Casablanca zwar sehr arm, aber sehr stolz und aufrecht im Charakter und gewiss sehr heissbluetig.

Von der Gesellschaft empfinde ich, dass sie sehr strenge, religioes fundierte Wertmassstaebe- und Systeme hat, die von der grossen Mehrheit beachtet werden. Missachtungen dieser werden bestimmt streng geahndet.

Es wurde dunkel, als wir im Hafen in unser schwimmendes Luxushotel zurueckgingen. Nach der Sicherheitskontrolle Szenenwechsel: Duschen, um den Staub abzuwaschen, schicke Kleider (so gut wir das schaffen), gediegenes Nachtessen mit Kellnern usw.

Die Realitaet Casablancas blieb vor dem Schiff, in unseren Koepfen als Erinnerung.

Um 22h legten wir ab.

Es war ein guter Tag!