Am Dienstag verliessen wir Cafayate und fuhren an Salta vorbei, anders als geplant. Wir hatten ploetzlich keine Lust auf eine Stadt…Und fuhren gerade weiter ueber San Salvador de Jujuy nach Purmamarca.
Die Strasse von Cafayate weg fuehrt zuerst durch die wunderschoene Quebrada der Valles Calchquies, eine Schlucht durch farbige Felsen, alles sehr trocken, kaum menschliche Siedlungen. Bei Alemania, einer stillgelegten Bahnstation, aendert die Landschaft, das Tal oeffnet sich, wird gruen und fruchtbar. Vorallem Tabak wird hier angepflanzt. Salta liegt wunderschoen in gruenen Huegeln, wir kennen die Stadt. Sie hat eine exzellent restaurierte koloniale Altstadt. Ein Juwel. Aber man braeuchte Zeit dafuer und uns zog es weiter in die Anden. Bei Salvador de Jujuy begann es in Stroemen zu regnen und dunkelte bereits ein. Aber wir wussten vom letzten Mal (2007), wenn man weiter faehrt, stetig bergauf, Humahuaca entgegen, kommt man ueber einen Pass und dort beginnt schlagartig ein wuestenaehnliches Klima. Und so war es auch. Der Regen hatte es nicht ueber den Pass geschafft und der Himmel war ploetzlich sternenklar.
Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt kam die Abzweigung nach links, dem Paso de Jama entgegen, der nach Chile, nach San Pedro de Atacama fuehrt. Kurz nach der Abzweigung kommt das Dorf Purmamarca. Der Name hat einen indigenen Ursprung und bedeutet Wuesten-Gegend. Hier lebten schon in paekolumbianer Zeit Menschen, schon vor den Inkas, schon Jahrtausende lang liegt das Dorf an der wichtigen Passstrasse (frueher Weg) ueber die Anden. Das Dorf liegt mitten in den Huegeln der „sieben Farben“ und ist selbst auch malerisch, mit seinen Haeuschen aus Lehmziegeln und dem Markt in der Mitte, wo Indios bis heute ihre farbigen Handarbeiten verkaufen (das meiste ist zwar aus Bolivien und sogar aus China…). Eine schlichte Kirche aus dem 16. Jahrhundert ziert das Dorf. Purmamrca wurde im Jahr 2003 zum „Patrimonio de la Humanidad“ erklaert, zum Unesco Weltkulturerbe.
Hier sind wir schon seit drei Naechten und noch bis morgen. Und wie geht es weiter?
Nun, unsere dritte Camera auf dieser Reise hatte ihren Geist aufgegeben. Ausgerechnet jetzt, in den Huegeln mit den sieben Farben. Und so mussten wir das Doerfchen Purmamrca gestern verlassen fuer einen Ausflug nach Tilcara, ins naechste etwas groessere Dorf (Tilcara = Sternschnuppe in der hiesigen Sprache der Indios) und zurueck in die Quebrada de Humahuaca fahren, aber nicht nach rechts in Richtung Jujuy sondern nach links, gen Bolivien, bis nach Tilcara. Auch dieses Tal (Quebrada de Humahuaca) ist seit Jahrtausenden ein wichtiger Handelsweg und dank seiner Fruchtbarkeit schon ebenso lang genutzt zum Gemuese- und Maisanbau. Und ebenfalls zum Weltkulturerbe erklaert, wie das Dorf Purmamrca an der Passstrasse. In diesem Tal gibt es noch Ruinen aus der Zeit vor den Inkas und noch viele versteckte archaeologische Schaetze (vermutlich). Ausserdem ist das Tal umgeben von farbigen Bergen von aussergewohnlicher Schoenheit. Hier hofften wir auf ein Wiederbeleben des Fotoapparates. Aber dieser Ausflug sollte anscheinend nicht nur der Camera Veraenderung bringen, sondern auch uns. Er hat unsere naechsten Reiseplaene beeinflusst.
Und, nun der Grund fuer eine Kursaenderung: Im Tal, neben der Strasse, verlaeuft eine alte Eisenbahnlinie! Mit romantischen Bahnhoefchen und Bruecken…Und das kann Ilamrin (und Basil) nicht kalt lassen! Es zwickt die beiden im linken Zeh, sie wollen der Bahnlinie entlang nach Bolivien fahren.
So werden wir nun also morgen bis Humahuaca fahren ( 3000m ueber dem Meer) und dabei den Wendekreis des Steinbocks kreuzen.
Und Chile wird wiedermal weiter in die Ferne gerueckt…
Die Camera verbrachte eine Nacht in einer Werkstatt und konnte nicht geflickt werden. Nun, waehrend ich schreibe, kaufen Basil und Ilmarin eine neue, Nummer 4.
Mit Fotos koennen wir im Moment nicht glaenzen. Nicht nur wegen dem Sandtod der Camera, sondern auch, weil seit langem Computer und Internet sehr langsam sind und keine Fotos in unseren Blog geladen werden koennen. Schade.
Hasta la proxima, Kirsten, Basil y Ilmarin.
Wir sitzen im geheizten Zimmer einer urbanen durchschnittlich komfortablen Wohnung in der geordneten Schweiz und lesen den Bericht dreier Abenteurer, die auf der vergleichebaren Höhe des Schilthorns einfach mal so durch die Anden tuckern. Das sind schon krasse Unterschiede. Farbige Berge gibts hier momentan weit und breit keine. Da wird man schon neugierig auf künftige Fotos. Aber dass es überhaupt einen Fotoapparat dort oben zu kaufen gibt, zeugt von einer einigermassen vorhandenen Zivilisation, auch wenn sie tausende von Jahren alt ist.
Herzliche Grüsse Beatrice und Christoph