Es ist mir ein Bedürfnis, zu erzählen, wie es dazu kommt, dass wir, während beinahe alle Nationen sich in ihre eigene Welt zurückziehen, um den Verlauf der Pandemie zu verlangsamen, trotzdem noch unterwegs sind.

Grundsätzlich hatten wir zwei Jahre ohne Erwerbseinkommen geplant – die Erde erfahren, Kulturen erleben, Sprachen zu lernen, unser Kind per Homeschooling zu unterrichten. Diese zwei Jahre sind im Sommer beendet und wir sind jetzt daran, uns wieder langsam in den Alltag zu Hause in der Schweiz einzugliedern (Schule für Sohn in Planung, wir Erwachsenen auf Stellensuche…).

Dass uns ein Virus im letzten halben Jahr der Reisezeit begleiten könnte, haben wir nicht geahnt. Wir sind auch deshalb nicht vorbereitet, nach Hause zu kommen. Denn all unsere Habseligkeiten sind in einem Möbellager, ein Ort, an dem man bestimmt keine Quarantäne verbringen könnte.

Ende Januar mussten wir unverhofft in die Schweiz, wegen einem Todesfall. Damals war der oder das Virus (beides richtig, sagt der Duden, in der Fachsprache ist es „das“ Virus). Wir rechneten zu diesem Zeitpunkt nicht mit Komplikationen für uns selbst. Es war damals einfach klar, nach Asien können wir nicht. Und so haben wir guten Mutes einen grossen Teil unseres Gepäcks auf der Insel Moorea (Franz. Polynesien) gelassen, im Schopf des Air B&B – Häuschens, das wir gerade angemietet hatten. Es dauerte dann vier Wochen, bis wir die Schweiz wieder verlassen konnten, bis das meiste erledigt war, das unverhofft anstand. Unser Flug war gebucht für den 28. Februar, ab Paris. Dazu fuhren wir am 27. 2. von Basel nach Paris, mit dem TGV. Unterdessen gab es in der Schweiz die ersten Covid- 19 – Infektionen. Wir versuchten am Bahnhof SBB in Basel vor der Abfahrt noch Handdesinfektionsmittel zubekommen. Unmöglich. Weder COOP, Migros noch Apotheke hatten noch etwas.

Mit etwas mulmigem Gefühl fuhren wir nach Paris und entkamen am nächsten Tag dem Virus per Flugzeug, zurück nach Franz. Polynesien, in das Häuschen, das auf uns wartete…

Und nun überstürzten sich die Ereignisse. Heute, etwas mehr als zwei Wochen später, scheint die Welt zum grössten Teil still zu stehen. Grenzen gehen zu, Flüge, Züge und Schiffe sind kaum noch in Betrieb. Ausgangssperre in Frankreich, die Schweiz im Notstand. Noch vor kurzem undenkbare Zustände haben die Welt in rasendem Tempo ereilt.

Und wir? Moorea ist vorläufig noch coronavirusfrei. Die Hauptinsel Tahiti hat seit knapp einer Woche die ersten bekannten Fälle. Wo können wir noch hin? Neuseeland scheint uns aufzunehmen. Die Dame am Telefon der Neuseeländischen Coronahotline hat uns gut zugeredet. „Selbstisolation ist bei uns kein Problem. Sie dürfen ins Hotel, sie dürfen einen Campervan mieten – keine Sorge. Gehen Sie einfach nicht in grosse Menschenmengen, halten Sie sich mindestens 1,5m weit weg von anderen Menschen, sprechen sie nicht länger als 15 Minuten mit jemandem gegenüber, kaufen Sie schnell ein und gehen Sie nicht in Restaurants o. ä“. Wunderbar. Falls das so bleibt, bis am 24. 3. unser Flug geht, haben wir ja persönlich nicht viel zu befürchten.

K