Ich schwimme durch die Lagune aus türkisfarbenen Wassern, die leuchten, wenn die Sonne drein scheint. Jeden Morgen, so wie heute, beobachte ich die schwefelgelbfarbenen Schlösser aus Korallen, die wie Türme vom Meeresboden aufragen, die Seeanemonen mit Innenleben, bestehend aus Nemos und Dories, die sich darin verstecken und Träume wecken. Mein Passierschein für „Sport“ liegt am Strand, wo ich ins Wasser gestiegen bin, 400m vom Wohnort entfernt.

Irgendwann steige ich aus, weil die Strömung an dieser Ecke der Bucht speziell stark ist. Meine Freunde, welche in einem  Hüttli nebenan sitzen, braten was auf dem Grill, wahrscheinlich Fisch, den sie gerade selbst gefangen haben. Sie winken mir. Ich gehe näher, sie lachen mir zu und sagen:“ Hey, mon ami, wenn du so weit um diese Ecke schwimmst, dann können dich die Flic (Schroter oder so) sehen. Weisst du, die sitzen da vorne am öffentlichen Strand (gehört zu den 10 schönsten Stränden der Südsee) und wenn sie dich sehen, kommen sie hier her“.

„Ou, peinlich, da hab ich gar nicht dran gedacht“, so meine Antwort. „Du weisst“ , sagen meine Fruende, „wir wollen hier gemütlich sitzen und Fische braten und eine Störung durch die Flics käme da sehr ungelegen…“

Man schlägt sich so durch im Katz- und Mausspiel. Alle haben sich ihre Freiräume erschaffen, in denen sie ungestört von den „Poulets“ ihr gemütliches Leben fortsetzen können. Zusammensitzen, wo die Polizisten und Gendarmen nicht hinkommen, auch ausserhalb der „Öffnungszeiten“ (5h bis 20h). Ausserhalb dieser Zeit gilt „Couvre Feu“ (totale Ausgagangsspere). Man schützt sich vor den Kontrollen mit den hohen Bussen gegenseitig.

Dass es um die Virusübertragung geht, interessiert dann niemanden. Seit Anfang der Massnahmen gibt es auf Moorea drei bestätigte Fälle. Seit vier Wochen ist hier niemand mehr eingelassen worden. Wer die Insel Moorea nach Tahiti verlässt, darf erst wieder nach zwei Wochen Quarantäne hinein. Unweigerlich fragt man sich: Für was die rigorose Einschränkung innerhalb der Insel? Mangels Einsicht fehlt die nötige Vorsicht zu Gunsten der Ermöglichung eines einigermassen akzeptablen Lebens. Hat es einen Zusammenhang, dass es in den Ländern mit den rigorosesten Massnahmen wie Spanien, Italien und Frankreich so viele Fälle gibt? Nimmt man den Leuten alle Freiheiten weg, so weichen sie aus und vergessen, vorsichtig zu sein.

Die Regeln hier auf Moorea sind von Frankreich übernommen. Schliesslich sind wir hier im Französischen Überseegebiet. Von 5h bis 20h darf man mit Passierschein zum Arzt, einkaufen (eine Person pro Familie) und im Radius von 1km ums Haus Sport treiben, höchstens eine Stunde pro Tag. Kontrolliert wird sehr gut. Bussen sind sehr teuer. Von 20 bis 5h totale Ausgangssperre. Couvre feu. Nach der ersten Busse von fast 200 Euro umgerechnet kann eine Gefängnisstrafe ausgesprochen werden…